Viele Frauen und Männer, die zu mir kommen, haben sich bereits intensiv mit Ernährung auseinandergesetzt.
Sie kennen sich mit Lebensmitteln aus, wissen um die Nährwerte, haben unterschiedliche Konzepte ausprobiert und oft auch Phasen erlebt, in denen Veränderung gut gelungen ist.
Und trotzdem bleibt häufig ein Gefühl zurück, das viele sehr ähnlich beschreiben:
„Eigentlich weiß ich, wie es geht – aber irgendwie komme ich an den selben Punkt immer nicht weiter.“
Genau dort beginnt oft die Frage, ob Ernähung wirklich nur mit Wissen, Planung und Disziplin zu tun hat – oder ob im Hintergrund noch etwas anderes wirkt.
Ein Fallbeispiel aus meiner Praxis zeigt sehr deutlich, warum emotionsfokussierte Ernährungsberatung an genau dieser Stelle hilfreich sein kann.
Jana: Warum Veränderung nicht dauerhaft blieb
Jana
Der Name wurde geändert und Jana hat mir freundlicherweise die Erlaubnis gegeben, hier für dich, über sie und ihren Prozess zu schreiben.
Jana war bereits vor einigen Jahren bei mir in der Ernährungsberatung.
Damals stand ein klassisches Anliegen im Vordergrund: Sie wollte Gewicht reduzieren.
Wir haben gemeinsam viele alltagstaugliche Veränderungen entwickelt, Verhaltensmuster angeschaut und Schritt für Schritt umgesetzt. Jana gelang es damals gut, Gewicht abzunehmen.
Trotzdem meldet sie sich einige Jahre später erneut.
In der Zwischenzeit hatte ich meine Weiterbildung im emotionsfokussierten Coaching abgeschlossen. Jana hatte davon erfahren – und spürte, dass ihr Thema diesmal an einer anderen Stelle lag.
Denn ihr neues Anliegen war nicht mehr die Frage:
„Wie nehme ich ab?“
Sondern vielmehr:
„Wie schaffe ich es, dranzubleiben, ohne immer wieder neu anfangen zu müssen?“
Denn genau das war über Jahre ihr Muster gewesen:
Abnehmen.
Wieder zunehmen.
Neu starten.
Wieder verlieren.
Nicht, weil ihr Wissen fehlte.
Sondern weil es Situationen gab, in denen etwas stärker war als jede gute Absicht.
Warum wir nicht beim Essen begonnen haben
In unserer gemeinsamen Arbeit entschieden wir uns zunächst bewusst nicht dafür, direkt auf einzelne Ernährungssituationen zu schauen.
Sondern auf den Stress, den frühere Diäten und viele Jahre des Kämpfens hinterlassen hatten.
Denn Jana hatte bereits sehr viel in ihrem Leben unternommen, um ihr Gewicht zu verändern.
Das Thema begleitete sie nicht erst im Erwachsenenalter.
Schon in Kindheit und Jugend war ihr Körpergewicht immer wieder von außen zum Thema gemacht.
Und genau dort zeigte sich im Prozess ein inneres Bild, das für sie plötzlich sehr präsent wurde.
Die Szene, die vieles verständlich machte
Vor ihrem Auge tauchte eine Situation aus der Schulzeit auf:
Eine Sporthalle.
Mitschülerinnen und Mitschüler um sie herum.
Mehr möchte ich an dieser Stelle bewusst nicht beschreiben, um ihre Privatsphäre zu schützen.
Aber es war eine sehr verletzende Situation.
Eine Situation, in der sie nicht als Mensch gesehen wurde – sondern auf ihr Gewicht reduziert wurde.
Sie fühlte sich ausgeschlossen.
Abgewertet.
Allein.
Und in diesem Moment entstand ein innerer Satz:
„Ihr könnt mir gar nichts. Ich mache das auf meine Art.“
Wenn alte Schutzmechanismen heute noch das Essverhalten beeinflussen
Genau an dieser Stelle wurde verständlich, warum Veränderung später immer wieder ins Stocken geriet.
Denn immer dann, wenn Menschen aus ihrem Umfeld das Thema Gewicht ansprachen – Ärzt*innen, Freunde, ihr Ehemann – wurde dieser alte Trotz unbewusst aktiviert.
Nicht bewusst.
Nicht geplant.
Sondern wie ein innerer Schutzreflex.
Ein Teil von ihr reagierte weiterhin auf die alte Verletzung.
Und genau das führte dazu, dass sie häufig entgegen ihrer eigentlichen Absicht handelte.
Nicht aus mangelnder Motivation.
Sondern weil alte emotionale Erfahrungen stärker waren als rationale Entscheidungen.
Genau solche Prozesse zeigen sich häufig auch bei emotionalem Essverhalten:
Nicht Hunger entscheidet – sondern ein innerer Zustand, der oft lange vorher entstanden ist.
Was sich verändert hat
Natürlich bestand unsere gemeinsame Arbeit nicht nur aus diesem einen Prozess.
Es gab weitere Themen, weitere Sitzungen, weitere Schritte.
Aber im gemeinsamen Rückblick wurde deutlich:
Diese Erfahrung war für Jana eine der größten inneren Veränderungen.
Nach unserem letzten Termin schrieben wir uns etwa sechs Monate später noch einmal.
Sie berichtete von herausfordernden Phasen:
Urlaub.
Feiertage.
Geburtstage.
Also genau die Situationen, die früher oft Wendepunkte gewesen waren.
Doch diesmal beschrieb sie etwas anderes:
„Ich muss weiter bewusst auf das Thema Ernährung achten. Aber ich bin gut durch diese herausfordernde Zeit gekommen.“
Und vor allem:
„Es gab nicht diesen Moment wie früher: Jetzt ist mir alles egal.“
Was emotionsfokussierte Ernährungsberatung anders macht
Emotionsfokussierte Ernährungsberatung bedeutet nicht, dass Ernährung unwichtig wird.
Im Gegenteil.
Ernährungswissen bleibt wichtig.
Aber manchmal reicht Wissen allein nicht aus, wenn emotionale Erfahrungen unbewusst weiter mitwirken.
Dann geht es darum, innere Prozesse sichtbar zu machen:
- Welche emotionalen Erfahrungen das heutige Erleben mit beeinflussen?
- Welche inneren Reaktionen daraus entstanden sind?
- Und welche Muster noch heute auftauchen – obwohl sie heute zur Emotionsregulation nicht mehr gebraucht werden?
Erst wenn diese Zusammenhänge verstanden und verarbeitet werden, entsteht oft eine neue innere Freiheit im Umgang mit Essen.
Warum mich solche Prozesse berühren
Ich bin Jana sehr dankbar, dass sie mir dieses Vertrauen geschenkt hat diesen Ausschnitt ihrer Geschichte zu teilen.
Denn solche Prozesse zeigen, wie eng Essverhalten, Erfahrungen und innere Schutzreaktionen miteinander verbunden sein können.
Manchmal wird erst im Verlauf sichtbar, weshalb bestimmte Reaktionen immer wieder auftreten, obwohl der eigentliche Auslöser lange zurück liegt.
Und genau dieses Verstehen kann im Umgang mit dem eigenen Essverhalten etwas verändern.
Nicht jedes Essverhalten lässt sich alleine über Ernährung erklären.
Manchmal wirken Erfahrungen mit, die im Alltag kaum bewusst wahrgenommen werden und dennoch Einfluss auf Entscheidungen haben.
Gerade dann kann es hilfreich sein nicht nur auf das Was esse ich? zu schauen, sondern auf das was in bestimmten Momenten aktiviert wird.
Vielleicht erkennst du dich in Teilen der Geschichte wieder.
Wenn du spürst, dass dein Essverhalten nicht nur mit Ernährung zu tun hat, sondern innere Prozesse mitwirken, kann ein gemeinsamer Blick hilfreich sein.
Über den Button „Termin buchen“ kannst du ein unverbindliches Vorgespräch vereinbaren, in diesem schauen wir dann gerne gemeinsam, wo du gerade stehst und ob emotionsfokussierte Ernährungsberatung für dich passend wäre.
Beste Grüße,
Heike 🌿
Die Bilder in diesem Artikel wurden mit KI erstellt oder verändert.

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