Jedes Jahr aufs Neue passiert kurz nach Weihnachten dasselbe, sie tauchen wieder auf, die Werbeanzeigen für Diäten. Noch bevor der Jahreswechsel stattgefunden hat, wird uns vermittelt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt sei, um „wieder alles in den Griff zu bekommen“.
Nach Tagen mit viel Essen, weniger Alltagsstruktur und vielen Emotionen scheint Kontrolle plötzlich eine sinnvolle Alternative zu sein. Und doch beginnt hier für viele wieder ein Muster, das sie bereits seit Jahren begleitet. Nicht, weil sie etwas falsch gemacht haben. Sondern weil sie auf eine Logik zurückgreifen, die kurzfristig Sicherheit verspricht, jedoch langfristig genau das Gegenteil bewirkt.
Die Diätlogik.
Sie ist eine der Hauptgründe, warum sich das Essen zum Jahreswechsel besonders schwer, laut und anstrengend anfühlt.
Du hast wenig Zeit oder gerade einen vollen Kopf?
Dann lies besonders diese Abschnitte – sie fassen den Kern des Artikels zusammen:
- Warum Diätlogik das Essverhalten langfristig verschlechtert
- Der Zusammenhang zwischen Diätlogik und emotionalem Essen
- Emotionsregulation statt Kontrolle – ein neuer Zugang zum Essverhalten
Was genau ist Diätlogik – und warum sie gerade zum Jahreswechsel besonders verlockend sind
Diätlogik ist kein einzelner Ernährungsplan. Sie ist ein inneres Denkmodell, das sich über Jahre entwickelt hat, meist unbemerkt.
Im Kern geht es dabei um drei Annahmen:
➡️ Essen braucht Kontrolle
➡️ Der Körper ist nicht zuverlässig
➡️ Disziplin ist der Schlüssel zum Erfolg.
Gerade zum Jahreswechsel locken die „guten“ Neujahrsvorsätze. Klare Regeln versprechen Halt bei einem unsicheren Gefühl und Gedanken wie: „wie kann ich es dieses Mal richtig machen“. Die Regeln versprechen wieder Ordnung herzustellen – im Körper und im Leben.
Das Problem ist nur:
Diese scheinbare Ordnung erzeugt inneren Druck.
Und genau dieser Druck wirkt sich langfristig wieder auf das eigene Essverhalten aus.
Warum Diätlogik das Essverhalten langfristig verschlechtert
Viele Frauen berichten, dass sie sich mit Diäten zunächst sicher fühlen. Die Regeln geben Struktur, Entscheidungen wirken einfacher bzw. scheinen diese nach dem Diätprinzip vorgegeben zu sein. Doch dieser Effekt hält nur selten lange an.
Denn Diätlogik bedeutet immer auch Einschränkungen. Und diese werden vom Körper nicht als Lifestyle-Entscheidung verstanden, sondern als Stress.
Wie der Körper auf Einschränkung und Verzicht reagiert
Sobald dem Körper über einen längeren Zeitraum weniger Energie zur Verfügung steht, als er benötigt, setzt ein biologisches Schutzprogramm ein. Der Stoffwechsel passt sich an, Hungersignale werden stärker, das Bedürfnis nach schnell verfügbarer Energie nimmt zu.
Das hat nichts mit persönlicher Schwäche zu tun, sondern mit biologischer Ausstattung, Mit Überlebensmechanismen, die in früheren Zeiten sinnvoll waren und heute noch wirken.
Je stärker die Kontrolle, desto lauter werden Hunger, Appetit und Essdrang.
Warum Verbote den Fokus auf Essen verstärken
Ein weiterer Effekt der Diätlogik ist psychologischer Natur. Verbote erhöhen die innere Beschäftigung mit genau dem, was vermieden werden soll. Essen wir dadurch emotional aufgeladen. Es bekommt noch mehr an Bedeutung, weil es innerlich bewertet wird.
Viele merken das daran, dass sie mehr über Essen nachdenken, sobald sie versuchen „es richtig zu machen“. Der mentale Raum, den Ernährung einnimmt, wird größer – nicht kleiner.
Das Ziel, weniger beschäftigt zu sein, rückt dadurch paradoxerweise in die Ferne.
Der Zusammenhang zwischen Diätlogik und emotionalem Essen
Häufig wird emotionales Essen als eigenständiges Problem beschrieben. Bei meinen Klient*innen zeigt sich jedoch immer wieder, dass es selten nur eine Ursache hat. Vielmehr entsteht es im Zusammenspiel verschiedener innerer und äußerer Faktoren.
Einschränkung und Kontrolle können dabei eine Rolle spielen, ebenso wie Stress, emotionale Belastung oder fehlende Möglichkeiten zur Regulation. Phasen erhöhter Anspannung gehen oft mit dem Wunsch nach Entlastung einher. Essen kann in solchen Momenten kurzfristig beruhigend wirken, indem es Sicherheit, Erdung oder Ablenkung vermittelt.
In diesem Verständnis ist emotionales Essen keine isolierte Störung, sondern Teil eines komplexen Regulationsgeschehens.
Emotionales Essen verstehen – keine Schwäche, sondern Regulation
Emotionales Essen ist keine Fehlfunktion. Es ist eine Regulationsstrategie.
Essen wirkt auf mehreren Ebenen, es beeinflusst z.B. den Blutzuckerspiegel, das Belohnungssystem und das Nervensystem. In belastenden Situationen kann es kurzfristig stabilisieren.
Das Problem entsteht dann, wenn Essen die einzige verfügbare Möglichkeit scheint, mit innerer Spannung umzugehen.
Warum Disziplin beim Essen oft nicht ausreichen
Disziplin ist eine kognitive Fähigkeit. Emotionales Essen entsteht jedoch nicht auf der Ebene des Verstandes, sondern im Zusammenspiel von Körper, Emotionen und dem Nervensystem.
Ein angespanntes System lässt sich nicht „überzeugen“. Es braucht Beruhigung, nicht weitere Anforderungen. Ein emotionales Thema auf rationale Weise zu lösen, ist etwa so, als würde man bei starkem Wind erwarten, dass sich alles allein durch Festhalten beruhigt.
Emotionsregulation statt Kontrolle – ein neuer Zugang zum Essverhalten
Emotionsregulation setzt an einer anderen Stelle an. Nicht beim Essen, sondern bei dem Zustand, aus dem heraus gegessen wird.
Es geht darum, innere Anspannung wahrzunehmen, zu verstehen und zu regulieren. Wenn das Nervensystem zur Ruhe kommt, verändern sich viele Dinge von selbst:
Entscheidungen werden klarer, Impulse leiser, das Essverhalten stabiler.
Nicht perfekt. Aber ehrlicher. Und nachhaltiger.
Ein erster Impuls für mehr Ruhe im Essverhalten
Beim nächsten Essimpuls oder Impuls nicht zu essen, halte kurz inne. Nicht, um dich zu kontrollieren, sondern um dich wahrzunehmen.
Frage dich:
💫 Was ist gerade in mir los?
💫 Wie fühlt sich mein Körper an?
💫 Was brauche ich in diesem Moment wirklich?
Allein die Wahrnehmung kann helfen den inneren Druck zu reduzieren.
Was sich verändert, wenn der innere Druck sinkt
Wenn Essen nicht mehr die Aufgabe hat, Emotionen zu regulieren, darf es wieder das sein, was es ursprünglich war: Versorgung, Genuss und ein Teil des Lebens.
Viele meiner ehemaligen Klient*innen berichten nicht von einem „perfekten Essverhalten“, sondern von mehr Ruhe im Kopf, weniger Dauerdenken und einem freundlicheren Umgang mit sich selbst.
Fazit: Der Ausstieg aus der Diätlogik beginnt innen
Diätlogik verspricht Kontrolle und erzeugt Stress.
Emotionsregulation schafft Sicherzeit und eröffnet Wahlmöglichkeiten.
Gerade zum Jahreswechsel lohnt es sich, diesen Unterschied bewusst wahrzunehmen. Vielleicht braucht es keinen neuen Plan – sondern einen neuen Blick auf das, was dein Essverhalten wirklich beeinflusst.
Wie es weitergehen kann
Wenn du dich in diesen Gedanken wiederfindest, ist das oft ein Hinweis darauf, dass dein Essverhalten weniger mit Wissen zu tun hat als mit inneren Prozessen.
In meiner Arbeit begleite ich Frauen dabei, genau diese Zusammenhänge zu verstehen und ihr Essverhalten über Emotionsregulation und Nervensystemarbeit nachhaltig zu verändern – ohne Diätlogik, ohne Verbote.
Wenn du Impulse dazu erhalten möchtest, trage dich gerne in meinen Newsletter ein. Dort teile ich regelmäßig wissenschaftliche Hintergründe und alltagstaugliche Perspektiven für einen entspannteren Umgang mit Essen.
Beste Grüße,
Heike 🌿

Dieser lesenswerte Text schafft den Raum, den Zusammenhang zwischen Emotionen und Essverhalten zu spüren. Ich fand es überraschend, daß ich mein Essverhalten daraufhin mit Interesse und Lust betrachtete. Danke dafür 🌻
Liebe Maren,
sehr gerne 🤗
Ich freue mich sehr, dass wir dich inspirieren konnten und du jetzt auf eine ganz andere Art auf dein Essverhalten schaust.
Wir wünschen dir viele bereichernde Einblicke.
Beste Grüße,
deine Heike